Arbeitsschutz, Konjunkturlage und konkrete Standortfragen standen im Mittelpunkt des ersten Friedberg-Management-Stammtisches des Jahres. Vertreter aus Wirtschaft und der AG Wirtschaftsförderung der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) Oberzentrum Südthüringen tauschten sich über aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen und praktische Fragen aus dem Unternehmensalltag aus. Darüber hinaus nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zu einem Unternehmensbesuch bei der Firma Cicor Profectus Electronic GmbH.
Da Fragen zur Gefährdungsbeurteilung in vielen Unternehmen aktuell eine wichtige Rolle spielen, hatte die AG Wirtschaftsförderung Christian Vater, Abteilungsleiter Arbeitsschutz beim Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz, als Referenten eingeladen. Mit seinem Vortrag „Gefährdungsbeurteilung im Unternehmen – Was muss und was kann?“ setzte er einen ersten fachlichen Impuls.
Er machte deutlich, dass die Gefährdungsbeurteilung nicht nur eine gesetzliche Pflicht aus dem deutschen Arbeitsschutzgesetz mit Ursprung im EU-Recht darstellt, sondern zugleich ein zentrales Steuerungsinstrument für Unternehmen ist. Ziel sei der nachvollziehbare Nachweis, dass Risiken im Betrieb erkannt, bewertet und wirksam beherrscht werden. Dabei betonte Vater, dass es keine standardisierten Maßnahmen „von der Stange“ gebe. Jedes Unternehmen müsse eine individuelle, betriebsspezifische Gefährdungsbeurteilung entwickeln und regelmäßig überprüfen. Dies betreffe neben klassischen technischen Risiken wie Lager- und Transportprozessen, Schweiß- und Schleifarbeiten oder den Umgang mit Gefahrstoffen auch psychische Belastungen, etwa durch Zeitdruck oder destruktive Teamstrukturen. Darüber hinaus kommt der Führungsverantwortung eine entscheidende Bedeutung zu.
Gleichzeitig seien Beschäftigte verpflichtet, festgelegte Schutzmaßnahmen einzuhalten. Eine wirksame Gefährdungsbeurteilung könne so nicht nur Arbeitsunfähigkeit vermeiden, sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit und die langfristige Wirtschaftlichkeit des Unternehmens stärken. Perspektivisch, so Vater, könne der Einsatz digitaler Lösungen und Künstlicher Intelligenz helfen, den Verwaltungsaufwand im Arbeitsschutz zu reduzieren.
Konjunktur im Blick: Ergebnisse der aktuellen IHK- Konjunkturumfrage
Im zweiten Fachbeitrag stellte Dr. Jan Pieter Schulz, Referent für Volkswirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer Südthüringen, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 vor. Da die amtlichen Berichte auf Landes- und Bundesebene erst im Laufe des Frühjahrs erscheinen, erhebt die IHK ergänzend frühzeitig Daten direkt bei den Unternehmen der Region.
Für Oberhof, Schleusingen, Suhl und Zella-Mehlis im Oberzentrum Südthüringen beteiligten sich rund 80 Unternehmen an der Umfrage. Schulz warb ausdrücklich für eine weiterhin hohe Teilnahmebereitschaft, um valide Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung treffen zu können.
Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen: Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Thüringen liegt weiterhin unter dem bundesweiten Durchschnitt, viele Unternehmen stehen seit Jahren unter spürbarem Anpassungsdruck. Haupthemmnisse sind wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, schwache Inlandsnachfrage und steigende Arbeitskosten. Investitionszurückhaltung sowie ein geringer Anteil an Forschung und Entwicklung prägen das Bild. Erste vorsichtige positive Signale kommen aus Arbeitsmarkt und Export, während insbesondere der Automotive-Sektor und angrenzende Bereiche der industriellen Wertschöpfung vor Herausforderungen stehen.
Vor diesem Hintergrund bleibt der enge Austausch zwischen der AG Wirtschaftsförderung und der regionalen Wirtschaft zentral. So kann die AG Rückmeldungen und Themen aus den Unternehmen gezielt aufnehmen, Impulse für Förderprogramme, Qualifizierungsmaßnahmen oder Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen setzen sowie den Austausch mit Fachinstitutionen und Ansprechpartnern organisieren.
Infrastruktur im Fokus
Ein konkretes Beispiel aus der aktuellen Diskussion mit dem Friedberg-Management-Stammtisches betraf die Infrastruktur im Gewerbegebiet. Aus der Unternehmerschaft wurde auf teilweise schlechte Straßenzustände im Gewerbegebiet hingewiesen, insbesondere nach dem Winter sind an mehreren Stellen Schäden sichtbar. Die Unternehmen werden gebeten, konkrete Hinweise und Fotodokumentationen an die AG Wirtschaftsförderung zu übermitteln, damit Problembereiche gebündelt und an die zuständigen Stellen weitergeleitet werden können. Gemeinsam mit den Verantwortlichen wird anschließend geprüft, welche Maßnahmen kurzfristig umgesetzt werden können.
Netzwerken und Sichtbarkeit: Einladung ins Schießsportzentrum
Positiv hervorgehoben wurde eine Einladung von Frank Wagner, Geschäftsführer des Schießsportzentrums Suhl, zur diesjährigen Junioren Weltmeisterschaft im Sportschießen. „Diese Veranstaltung bietet unseren Unternehmen die Möglichkeit, gemeinsam Präsenz zu zeigen, Netzwerke zu pflegen und den Standort Friedberg im Rahmen dieses sportlichen Großereignisses, an einer der bedeutendsten Sportstätten im Oberzentrum Südthüringen, zu präsentieren. Die ISSF Junioren-Weltmeisterschaft im Schießen 2026 findet vom 16. bis 26. Juni 2026 im Schießsportzentrum (SSZ) Suhl statt.
Besuch bei Cicor Profectus Electronic GmbH
Wie bei jedem Unternehmerstammtisch auf dem Friedberg schloss sich an die Vorträge und Diskussionen ein Unternehmensbesuch an. Dieses Mal gewährte Cicor Profectus Electronic GmbH Einblicke in seine betrieblichen Abläufe. Das Suhler Unternehmen entwickelt und fertigt elektronische Baugruppen und Systeme für verschiedene Industrieanwendungen und gab Einblicke in Produktion und Abläufe vor Ort.
So konnten die Teilnehmenden verschiedene Prozesse vor Ort kennenlernen, Erfahrungen zu den eingesetzten Verfahren austauschen und Fragen direkt im Betrieb diskutieren. Dabei präsentierte sich Cicor Profectus Electronic GmbH als modernes und innovatives Unternehmen mit klarer Praxisorientierung.
Ein Format mit Mehrwert für den Standort
„Der Unternehmerstammtisch der Friedberger Unternehmen zeigt erneut, wie wichtig der offene Austausch zwischen Wirtschaft und Institutionen ist. Die Unternehmen erhalten praxisnahe Informationen und bringen zugleich konkrete Anliegen für den Standort ein. Dieser direkte Dialog ist für unsere gemeinsame Entwicklung im Oberzentrum Südthüringen von großer Bedeutung“, betont Alexander Brodführer, Bürgermeister der Stadt Schleusingen und Vorsitzender der KAG.
Infokasten Cicor Profectus Electronic GmbH
Die Cicor Profectus Electronic GmbH, ansässig in Suhl, Thüringen, ist ein modernes Elektronikunternehmen mit rund 90 Beschäftigten. Seit der Gründung 2010 hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung und Fertigung elektronischer Baugruppen sowie kundenspezifischer Elektroniksysteme spezialisiert. Das Leistungsspektrum umfasst unter anderem Leiterplattenbestückung, Prototypenbau und Gerätmontage. Cicor Profectus Electronic GmbH bedient Märkte wie Industrieelektronik, Medizintechnik sowie weitere Anwendungen der Elektronikindustrie – europaweit. Das Unternehmen gehört seit 2025 zur Cicor-Gruppe.












