Wie kann künstliche Intelligenz Vereine im Alltag unterstützen? Wo liegen konkrete Möglichkeiten und wo ist Vorsicht geboten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das jüngste Vereinsgeflüster der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) Oberzentrum Südthüringen am 2. September 2026 im Tanzsaal Rappelsdorf in Schleusingen. Unter dem Titel „Zwischen Innovation und Verantwortung – KI im Ehrenamt“ kamen über 50 Vereine aus Oberhof, Schleusingen, Suhl und Zella-Mehlis zusammen. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Alexander Brodführer, dem Vorsitzenden der KAG Oberzentrum Südthüringen.
Mit dem Vereinsgeflüster schafft die KAG regelmäßig eine Plattform, auf der Vereine aktuelle Themen gemeinsam diskutieren, Erfahrungen teilen und konkrete Anregungen für ihre Arbeit mitnehmen können. Diesmal stand mit der künstlichen Intelligenz eine Technologie im Mittelpunkt, die längst auch im Vereinsalltag angekommen ist und neue Möglichkeiten eröffnet, gleichzeitig aber einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang erfordert.
Erst die Aufgabe, dann das Werkzeug!
Den Einstieg in das Thema übernahm Kevin Grabarits, UX Manager bei der IBYKUS AG. In seinem Impulsvortrag „Die Sprache der KI“ erklärte er zunächst anschaulich, wie künstliche Intelligenz arbeitet und warum sie nicht im menschlichen Sinne „versteht“, sondern auf Grundlage von Daten und Mustern Wahrscheinlichkeiten errechnet und daraus Vorhersagen trifft. Seine zentrale Botschaft war einfach und gerade für Vereine gut übertragbar. Zuerst muss klar sein, was erreicht werden soll, dann stellt sich die Frage nach dem passenden Werkzeug. KI kann beispielsweise aus Stichpunkten einen Text entwickeln, komplizierte Formulierungen verständlicher machen oder verschiedene Fassungen für unterschiedliche Zielgruppen erstellen. Auch beim Brainstorming, also beim gemeinsamen Sammeln und Entwickeln von Ideen, kann sie einen ersten Anstoß geben. Wie wichtig die konkrete Aufgabenstellung ist, zeigte Grabarits anhand des Prinzips „Rolle, Informationen und Ziel“ Wer einer KI möglichst genau vorgibt, welche Aufgabe sie übernehmen soll, welche Informationen sie dafür erhält und welches Ergebnis erwartet wird, kann die Qualität der Ergebnisse deutlich beeinflussen.
KI als Helfer in der Vereinsarbeit
Besonders anschaulich wurde dies, während der offenen Diskussion, durch ein Beispiel aus dem Kreis der teilnehmenden Vereine. Ein Vereinsmitglied nutzt künstliche Intelligenz gezielt für die Fördermittelakquise. Statt sich mühsam selbst durch umfangreiche Dokumente von zahlreichen Fördermittelangeboten zu arbeiten, kann die KI zunächst dabei helfen, passende Förderprogramme zu identifizieren, mögliche Fördermittelgeber zu finden und zu prüfen, welche Angebote grundsätzlich zum jeweiligen Vereinszweck und Vorhaben passen könnten. Die eigentliche Prüfung und Antragstellung bleiben dabei selbstverständlich Aufgabe des Vereins. Gerade solche Beispiele machten deutlich, dass KI nicht nur für große Unternehmen interessant ist. Auch kleine Vereine können die Technologie als praktisches Hilfsmittel einsetzen. Etwa dort, wo im Ehrenamt Zeit knapp ist und zusätzliche Unterstützung bei Recherche, Texten oder Ideenentwicklung hilfreich sein kann.
Wie KI ganz praktisch genutzt werden kann, zeigte anschließend Bettina Recknagel, Leiterin des Marketings und der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke Suhl/Zella-Mehlis SWSZ. Anhand konkreter Erfahrungen aus ihrer Kommunikationsarbeit wurde deutlich, dass KI an ganz unterschiedlichen Stellen unterstützen kann, von der Ideenfindung über die Textarbeit bis zur Anpassung von Inhalten für verschiedene Kommunikationswege. Dabei betonte Recknagel zugleich, dass KI-generierte Inhalte nicht ungeprüft übernommen werden sollten. Die eigene Sprache, Persönlichkeit und Wiedererkennbarkeit sollten darüber hinaus immer erhalten bleiben. KI darf Arbeit unterstützen, jedoch nicht die eigene Identität verwässern und den Verein in der öffentlichen Wahrnehmung austauschbar machen.
Innovation braucht Verantwortung
Neben den Möglichkeiten ging es deshalb ebenso um die Grenzen. Datenschutz, den Umgang mit Bildern und Einwilligungen sowie die Frage, wann Inhalte als KI-generiert gekennzeichnet werden sollten. Bettina Recknagel erläuterte beispielsweise, dass eingesetzte Werkzeuge vor ihrer Nutzung datenschutzrechtlich geprüft werden und auch beim Umgang mit Bildern und personenbezogenen Daten klare Regeln gelten müssen. Damit wurde schnell deutlich, Künstliche Intelligenz kann vieles erleichtern, aber sie nimmt den Menschen nicht die Verantwortung für die eigenen Inhalte und Entscheidungen ab. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Innovation und Verantwortung gab dem Abend seinen Titel.
Vernetzung ist der Mehrwert
Wie wertvoll das Vereinsgeflüster für die Vereine ist, zeigte nicht nur die große Beteiligung von über 50 Vereinen, sondern auch die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Format und die Organisation erhielten viel Lob. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, andere Vereine kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und aus konkreten Praxisbeispielen Anregungen für die eigene Arbeit mitzunehmen. Auch eine während der Veranstaltung durchgeführte Umfrage gab der KAG wichtige Hinweise für die kommenden Veranstaltungen. Besonders gefragt sind Themen rund um Vereinsverwaltung und Finanzen, darunter die Ehrenamtspauschale, die E-Rechnung und der Umgang mit ELSTER. Ebenfalls großes Interesse besteht weiterhin an der Akquise von Fördermitteln. Weitere Wünsche betreffen den Umgang mit Bildrechten sowie den Kinderschutz, insbesondere für Vereine, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, beispielsweise im Sport.
Bei der Frage nach den größten Herausforderungen der Vereine stand mit der Gewinnung neuer Mitglieder und insbesondere des Nachwuchses, ein Thema deutlich im Vordergrund. Viele Vereine erleben in ihrem Alltag, dass es immer schwieriger wird, junge Menschen dauerhaft für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen und gleichzeitig bestehende Strukturen mit neuen Aktiven zu verstärken. Umso wichtiger wird der Austausch darüber, welche Wege andere Vereine gehen, welche Erfahrungen sie dabei machen und was sich möglicherweise auf die eigene Arbeit übertragen lässt. Genau darin sehen die teilnehmenden Vereine einen wesentlichen Wert des Vereinsgeflüsters. Miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und voneinander lernen. Das Format schafft Raum für diesen Austausch über die Grenzen der einzelnen Vereine und Städte hinweg.
Ein besonderer Dank gilt Kevin Grabarits von der IBYKUS AG für seinen verständlichen und praxisnahen Einstieg in das Thema Künstliche Intelligenz sowie Bettina Recknagel von den Stadtwerken Suhl/Zella-Mehlis SWSZ für den offenen Einblick in die Erfahrungen aus ihrer ganz eigenen Kommunikationspraxis. Beide Vorträge haben das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und den Vereinen konkrete Anregungen für den eigenen Umgang mit KI gegeben. Ebenso herzlich bedankt sich die KAG Oberzentrum Südthüringen beim Heimatverbund Schleusingen e. V. als Ausrichter des Abends für die Gastfreundschaft und die Unterstützung bei der Durchführung der Veranstaltung. Der Tanzsaal Rappelsdorf bot einen passenden Rahmen für einen Abend, bei dem Information, Austausch und Begegnung miteinander verbunden wurden. „Das Vereinsgeflüster lebt davon, dass wir aktuelle Themen aufgreifen und vor allem miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Alexander Brodführer, Vorsitzender der KAG Oberzentrum Südthüringen. „Die große Resonanz und die vielen positiven Rückmeldungen zeigen uns, wie wichtig die Vernetzung der Vereine untereinander ist. Wenn ein Verein von den Erfahrungen eines anderen profitieren kann, ist genau das der Mehrwert, den wir mit diesem Format schaffen.“
Wie geht das Vereinsgeflüster weiter?
Die Rückmeldungen der Vereine zeigen deutlich, dass der Bedarf an praxisnahen Informationen und am Austausch untereinander groß ist. Das nächste Vereinsgeflüster der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Oberzentrum Südthüringen findet am 17. November 2026 in Oberhof statt. Die KAG lädt die Vereine aus Oberhof, Schleusingen, Suhl und Zella-Mehlis bereits jetzt herzlich dazu ein, sich einzubringen, eigene Erfahrungen zu teilen und gemeinsam mit anderen Vereinen neue Impulse für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen.
Infokasten: Vereinsgeflüster der KAG
Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft (KAG) für ein Oberzentrum Südthüringen hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität in den vier Verbundstädten Oberhof, Schleusingen, Suhl und Zella-Mehlis sowie in der gesamten Region langfristig zu steigern. Ein zentrales Anliegen dabei ist die Förderung des Vereinslebens, des ehrenamtlichen Engagements und der kulturellen Vielfalt. Daher legt die KAG großen Wert darauf, die Vereine und Kulturschaffenden stärker miteinander zu vernetzen, den Austausch zu fördern und gemeinsame Synergien zu schaffen, denn viele Herausforderungen und Themen sind oft ähnlich. Das Format „Vereinsgeflüster“ wurde von der KAG genau dafür ins Leben gerufen: Vereine aus den KAG-Städten enger miteinander vernetzen, Wissen zu teilen und gemeinsam Lösungen für Herausforderungen des Vereinsalltags zu finden. Die erste Veranstaltung fand im Oktober 2024 statt.
- Eröffnung der Veranstaltung
- KI einmal theoretisch
- Ein Vereinsvertreter im Dialog mit den Gastrednern
- KI in der Praxis
- Blick in den Veranstaltungsort
- Die Gastgeberinnen












